
Kronen Zeitung
BARISIC IM INTERVIEW:
„Ich hätte Didis Entlassung nie zustimmen sollen!“
Zoran Barisic prägte als Trainer und Sportchef viele Jahre Rapid. Erstmals seit seiner Entlassung 2023 nimmt der 55-Jährige zu Grün-Weiß, Peter Stöger, Didi Kühbauer und dem Bundesliga-Titelkampf Stellung: „Ich hätte Didis Entlassung niemals zustimmen sollen!“
„Krone“: Herr Barisic, Sie haben sich in den letzten Jahren öffentlich rar gemacht, hat Sie die Beurlaubung von Rapid im November 2023 so getroffen?
Zoran Barisic: Natürlich hat es weh getan, da habe ich schon etwas Abstand gebraucht. Aber ich war auch viel unterwegs, habe mir in England, Tschechien, Slowakei, Kroatien viele Spiele angeschaut, Gespräche geführt. Jetzt kribbelt es wieder.
Gab es noch keine reizvollen Angebote ...
Doch, ich habe Anfragen und Hearings gehabt, aber der Zeitpunkt war nicht ideal.
Inwiefern?
Ich habe mich um meine Eltern gekümmert, mir war wichtig, dass ich bis zum Schluss an ihrer Seite geblieben bin, ich bin ihnen sehr dankbar, auch wenn es hart ist, das ist ein Privileg. Deshalb war es nicht möglich, ein Engagement anzunehmen, aber jetzt bin ich wieder frei im Kopf.
Wie haben Sie Rapid in den letzten Jahren verfolgt?
Nur am Rande verfolgt, nicht so intensiv, wie viele glauben. Rapid ist das beste Beispiel für die Schnelllebigkeit im Fußball. Von den Emotionen hat sich nichts verändert, es gibt nichts zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Die Ungeduld ist spürbar.
Wie hat sich Rapid seit ihrer Zeit als Trainer und Sportdirektor verändert?
Da muss man ausholen, ich habe in den viereinhalb Jahren den nackten Wahnsinn erlebt. Die Zeit als Covid ausgebrochen ist, alles zum Stillstand gekommen ist, niemand wusste, ob und wie es weitergeht. Da ist ein großer Teil des Budgets weggebrochen. Da hatte es Priorität, den Verein wirtschaftlich stabil zu halten. Dazu haben wir ohne Fremdfinanzierung das Trainingszentrum auf die Beine gestellt. So konnten wir unseren Nachfolgern ein bestelltes Feld überlassen.
Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
Natürlich macht man Fehler. Wir hätten vielleicht unsere Ziele klarer kommunizieren müssen.
Jetzt steht der Klub finanziell so gut da wie nie.
Der finanzielle Rahmen hat sich verbessert, jetzt gibt es einen dritten internationalen Bewerb für mehr Einnahmen, es wurde international eingekauft, es sind Spieler dabei, die über Qualität verfügen, jetzt ist die Frage, ob man es schafft, ob man aus ihnen eine Einheit formt.
Wie schätzen Sie die Qualität des Kaders ein?
Gut. Aber wenn Rapid ein paar Spieler holt, denkt sich der Fan, je mehr, desto besser, endlich wird investiert. Doch es schmerzt, wenn man eine Identifikationsfigur wie den Burgi verliert, einen Spieler, an denen man sich festhalten kann. Da sehe ich bei Rapid sehe ich nicht mehr viele Spieler. Aber der Zusammenhalt, ein echtes Team zu sein, ist extrem wichtig, das wird immer so sein.
Es sind also doch zu viele Legionäre? In ihrer Ära hat Rapid teilweise mit elf Österreichern gespielt.
Der Markt ist offen, wir reden von Globalisierung, jetzt erhofft man sich, schneller zum Erfolg zu kommen. Wir haben aber auch nicht nach Nationalität aufgestellt, das hat sich damals so ergeben. Wenngleich wir uns an den Ö-Topf gehalten haben. Auf dem Platz ist Fußball einfach, da kann man sich verständigen. Wichtig ist die Kommunikation abseits, auch in der Kabine, um ein Team zu werden, Vertrauen zu schaffen, sich blind zu verstehen.
Sind Sie überrascht, dass auch Peter Stöger gescheitert ist?
Das hat mich sehr überrascht, tut mir auch leid. Aber ich weiß nicht, ob er gescheitert ist. Er war international dabei, am zweiten Tabellenplatz. Ich kenne die Interna nicht, möglicherweise hätte er mehr Zeit gebraucht. Er war über Jahre erfolgreich, unser Aushängeschild im Ausland, ist ein fantastischer Mensch. Es wird ihn auch getroffen haben.
War es ein Fehler, Didi Kühbauer entlassen zu haben?
Möglicherweise, aber das damalige Präsidium hat so entschieden. Ich hätte Didis Entlassung niemals zustimmen sollen.
So wurden Sie vom Sportchef wieder zum Trainer, haben sich selbst auf die Abschussliste gebracht.
Man wollte mich auf der Position haben, da habe ich mich überreden lassen. Möglicherweise wäre ich ansonsten jetzt noch Sportdirektor bei Rapid.
Was trauen Sie Kühbauer und dem LASK jetzt zu?
Alles, der LASK ist der einzige Klub der Liga, der sich von der Spielweise abhebt, da ist jetzt ein Ur-Vertrauen da. Auch wenn es der Didi nicht gerne hört, für mich ist der LASK der Titelfavorit. Ich würde es ihm von Herzen wünschen.
Davor wartet noch der Thriller um Platz sechs.
Das wird ein Kampf um Rotz und Wasser. An Spannung kaum zu überbieten. Es wird schwer, Salzburg, LASK und Sturm sind für mich in den Top 6 gesetzt, dann ist alles offen.
Wo wird man Zoran Barisic wieder in der Coachingzone erleben? Schließen Sie etwas aus?
(lacht) Barcelona und Real Madrid schließe ich aus, ansonsten bin ich für alles zu haben. Es muss ein interessantes Projekt sein.
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